Pfingsten

Die Schöpfung blüht im Festgewand,
getränkte Erde, weich wie Samt.
Vom Himmel flutet goldner Strahl
über Wiese, Berg und Tal
und ent-zündet die Natur
zum Feuer-Werk der Kreatur –
tausend Farben, leuchtend satt,
durch-lichtet funkelt jedes Blatt.

Licht-farbner Funke sprüht ins Herz
erfüllt und zieht es himmelwärts,
um Gottes Wunderwerk in Weisen
des Danks und Jubels zu lobpreisen:
Ein Tag, voll Majestät und Pracht,
der Tag, den uns der Herr gemacht!
In Seinem Glanz erstrahlt der Klee
brillanten gleich der Orchidee.

Da-Sein, Eins-Sein, schweigend stehen,
ein-strömen lassend dies Geschehen:
Lebens-Atem, Liebes-Glut
ergiesst in mich die heilge Flut.
Erfasst, ergriffen, neu belebt,
ein-getaucht, durch-glüht, durch-bebt? –
Und wie erwacht aus Schlaf und Traum
begegne ich dem alten Baum.
Erst jetzt kann ich Symbole „sehen“,
die Zeichen-Sprache klar verstehen…

Allmählich wachsen zwar die Schatten,
doch schimmert Gold-Hauch auf den Matten.
Der milde Strahl zur Abendstund
berührt auch uns mit sanftem Mund,
umfängt liebkosend, trägt uns geborgen
ins Dunkel der Nacht – denn sie weicht jedem Morgen.
Und unsere Herzen – wie Rosen im Licht –
sind durch-flutet von Freude und Zuversicht,
dass auch wir, vom Glanz Deines Geistes umflossen,
als Gnade empfangen, was Du in Fülle aus-gegossen.


Marlies Frast
Pfingsten 1995