Uhr-Aufführung


„Zum Kuckuck!“ rief die Kuckucks-Uhr
zur altehrwürdgen Stuben-Uhr:
„Du bist zwar gross und mächtig,
doch träge und bedächtig!
Dein Puls antiker Langsamkeit
tickt ja nicht mehr mit der Zeit!“

Dies traf die Pendel-Uhr ins Herz.
Ihr Uhrenkasten ächzt vor Schmerz.
Sie schlug nicht unbedacht zurück –
doch schwieg ab diesem Augenblick
und zeigte mittels Zifferblatt,
dass man sie beleidigt hat:
Anstatt um Zehn vor Zehn sie lacht’
rückt’ sie auf Zwanzig Punkt nach Acht. –

Seit vielen Generationen
mass sie für alle, die hier wohnen
Stund um Stunde, Tag für Tag
im Perpentikel-Viertels-Schlag…

Der Wecker, der dies mitgehört
war ob der Kränkung schrill empört
und fand, dass diese Kuckucks-Uhr
sich vorlaut aufführt von Natur.
„Die alte Perpentikel-Uhr
zählt pflichtbewusst die Stunden nur.
Auf dass sie dieses weiter tue,
bedächtig und mit grosser Ruhe! –
Nicht wie du – so ungenau –

wenn du rufst nach Kuckucks-Frau…
Du hast ’nen Vogel – hör zu quasseln!“ –
und lässt sich wutentfesselt rasseln.

Im Jägerhause dies Rumoren
kam der Kirchturm-Uhr zu Ohren.
Sie war bekannt für konstruktive,
weise Aussenperspektive.
Sodann im milden Abendlicht
sass die Turm-Uhr zu Gericht,
wölbte vor ihr Zifferblatt –
die strammen Zeiger glänzten matt –
beordert diese fix am Platz,
hob an nach Glockenschlag zum Satz:
„So wahr ich hier heroben sitze
unter dieser Kirchturmspitze,
alle Uhren  im Visiere –
die ich zudem präsidiere…
Laut Ehrenkodex seis gesagt,
dass ihr im Schöpfungs-Zeitmass schlagt.
Nach diesem muss der Zeiger rücken –
sonst könnt ihr nach Gutdünken ticken.
Wir sind nur hier das Mass der Zeit,
doch Vorbild für Verlässlichkeit!“


Marlies Frast
2009