Bruch-Stücke

Schutt und Asche, Splitter, Scherben,
die des Lebens Spiel verderben –
Feinstaub, Gift-Müll, Wurm und Rost,
Altlasten-Schrott, Abgas, Kompost,
Zukunftsträume unerfüllt,
leise Sehnsucht ungestillt…
In den Himmel ragen Trümmer –
Ruinen einstger Hoffnungsschimmer,
Lebenspläne, die zerstört,
Entsetzens-Schreie ungehört,
Luftschloss-Konstrukte jäh zerplatzt,
Selbstwert und Ehre angekratzt,
nach Beziehungs-Fäulnis rochen,
Kontakte, die wie Glas zerbrochen. -
Was einst zum Glücke sich erbot,
ist aus-gelebt, verwelkt und tot –
erlahmter Mut, erstarrtes Herz,
Sinn-Krise, Einsamkeit und Schmerz.

Angesichts der Lebens-Trümmer
zehrt kein Schmerz und Leiden schlimmer:
War die Mühe allen Strebens,
aller Einsatz nichts – vergebens?
Was will das Lebens-Glück vermiesen:
Absturz, Misserfolg und Krisen,
hammerfeste Schicksals-Schläge,
Schiffbruch oder Fehlbeträge? -
In alten Trümmern, Rauch und Qualm
verbirgt – wer weiss – sich doch der Halm
der Hoffnung, die ans Leben kettet
und den Strauchelnden noch rettet.

Es lohnt gewiss, nie zu verzagen,
die Suche nach dem Halm zu wagen:
Was hilft weiter? Wie beginnen?
Wie kann ein Leben neu gelingen?

Weder Wissenschaft noch Trick
ersetzt den ungetrübten Blick
hinter eignem Schloss und Riegel
vor blank-geputztem Lebens-Spiegel.
Was ablenkt, ab- und auszuschalten,
in sich gehen, inne-halten,
sein Selbst-Bild unverzerrt erkennen,
das Kind beim wahren Namen nennen. -
Nicht einmal der Wurm im Holz
ist so gefährlich wie der Stolz,
mit Sturheit, eitlem Eigen-Sinn
durchkreuzt er jeden Neu-Beginn.

Bruch-Stücke in der Biografie? -
Recycling nutzt mit Phantasie:
der Garten dankts Asche und Kompost,
im Skulpturen-Trend liegt Alteisen-Rost. -
Wer wollte da Lebens-Müll ignorieren,
statt ihn sinnvoll zu integrieren? -
Kein Schicksal ist so voll Misere,
dass neues Glück nicht möglich wäre!
Auch nach wilder Achterbahn
ein Mensch die Kurve kriegen kann,
um Berg- und Talfahrt abzuwenden
und sein Stück-Werk zu vollenden.

Marlies Frast
2007