Diplomrede für meine Klasse, Kurs 17 DN I

Liebe Diplomandinnen, lieber Diplomand,
liebe KollegInnen und Kollegen, liebe Festgäste

Der langen Rede kurzer Sinn
ist, dass ich heut sehr glücklich bin!
Ihr habt das DN I geschafft
mit Geistes- und mit (oder trotz…) Willenskraft!
Am Schwabenmeer erging die Bitte
zu diesem Wort aus eurer Mitte.
Das Klassenmotto laute „Welle“
und mich zu äussern an der Stelle
obliege meiner Rückbesinnung,
zensuren-freien Selbstbestimmung.
Well – so bringe ich zur Ehre
eures Festtags keine Mähre
und wellen-linie mich entlang
vom ersten bis zum letzten Wellen-Gang…

22.09. Zwei-Null-Drei:
aufgestellt und etwas scheu -
Kurs 17 auf der Haustürschwelle
in Hochform der Begeisterungswelle
fasziniert für neue Wege
der Gesundheits- und der Krankenpflege.
Nach den ersten Blockkurs-Stunden
schien Wellen-Länge rasch gefunden.
Blockkurs 3 zeigt nüchtern schnelle:
Lern-Lust bleibt keine Dauer-Welle…
Kurs 17 wollte Spass und Fun –
doch damit war es nicht getan!
Realitäts-Sinn schien entrückt -
Wellen-Schlag durch Schul-Konflikt:
Ausbildungs-Ziel und Motivation
die Interessenskollision. –

Emotionales Auf und Nieder
Argumente Für und Wider,
Sturmböen überm Klassenklima –
„Atmosphären-Hiroshima“,
Egozentrik – kein Verzicht –
keine Einigung in Sicht,
hier  mal Zärtlichkeit und „Bussi“,
dort mal „blöde Kuh“ und „Tussi“…
Lern- und Leistungsattestat:
zyklothymes Wellen-Bad.
Dynamische Wiederholungsfälle
ergeben die Struktur der Welle. –

Kurs 17 traf auf jeden Fall
vorzüglich des Symboles Wahl! –
Typische Adrenalin-Schub-Wellen,
wo Puls und Druck in Höhen schnellen,
mit hysteriformen Affekt-Kaskaden
und cerebro-stupor-Denkblockaden -
Grund der Prüfungsstress-Phobien:
kurzfristig-oberflächliche Lernstrategien. –

Prüfungsrückgaben sich erweisen
als die heissesten Klassen-Eisen.
Für mich hiess dies auf alle Fälle:
Fassung! – Jetzt kommt Boden-Welle
der Entrüstung und Empörung,
gefolgt von Tiefdruck-Wellen-Störung.
Es wurde um Punkte gefeilscht und gerüffelt,
man hatte zu viel und das Falsche gebüffelt,
komplexe Fragen, zu schwer und zu viele –
sie stimmten auch nicht überein mit dem Ziele. –
So viel zu dem üblichen Prüfungsharm –
nach Zwischenprüfung - Tsunami-Alarm:
Die Klassenstimmung im Bild der Welle
bringt Schillers „Taucher“ an der Stelle:

 „Und es wallet und siedet und brauset und zischt,
wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,
bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt,
und Flut auf Flut sich ohn Ende drängt
und will sich nimmer erschöpfen und leeren,
als wollte das Meer noch ein Meer gebären.“

Schlussendlich galt der Notenschnitt
nach Auf und Ab im Wellen-Ritt
jeweils standhaft als „bestanden“ –
ohne durch-gesegelt zu stranden…

Nicht zuletzt die Korrekturen
der Prüfungen ins Zwerchfell fuhren
und haben die Lehrer trotz Stirne in Falten
wellen-rhythmisch bei Stimmung gehalten.
Für Kurzweil sorgte allemal
Kurs 17 – hier im Original:

Kurs 17 lehrte mich: Sei helle –
 jede zieht nach sich die nächste Welle!
Stürmische Action-Welle pur:
Höhlenschlaf in Oktober-Natur –
Forderndes Sympathie-Wellen-Gebrause
nach Mikro-Welle für Mittagspause…

Dem „rebellischen Kind“ ist es eigen,
dass Absagen schäumende Stoss-Wellen zeigen. –
Friedrich Schiller hat besonnen
die Schilderung vorweg genommen:

 „Und es wallet und siedet und brauset und zischt,
wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,
bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt,
und Well auf Well sich ohn Ende drängt,
und wie mit des fernen Donners Getose
entstürzt es brüllend dem finsteren Schosse.“

Dieser Brandung – ohne Pardon –
gebot nur ein Wellenbrecher in Person. -
Nach solch gewittrigem Wellengang:
obstipierte Ohr-Muscheln tagelang…

Ein weitrer Punkt: die Mode-Welle:
„wellen-sittlich“ für Professionelle? –
Ob Schulter, Flanke – einerlei –
man hielt sich knapp textilienfrei,
gewährte ungeniert an Stellen
den Blick auf Body-Beauty-Wellen –
dorsal, frontal und im Profil
modisch in Design und Stil,
Bauchnabel-Piercing mit Brillanz,
Decolleté mit reiss-fester Träger-Substanz. -

Der Beauty-Welle ganz entspricht
der Well-ness-Trend im Unterricht:
mit einem Solarium-Bräunungsrost,
gesunder Fitness-Schlankheitskost,
Kosmetika, Duftöl-, Phyto-Tinkturen,
Fussreflex-, Massage-Kuren,
könnte man nach Klassen-Willen
ganze Kursprogramme füllen…
Eine einzige Well-ness-Natur
Selbst aktiv per Wello zur Schule fuhr,
und eine Zweite trimmt Kondition
durch Lütisburg im Marathon…

Im Unterrichts-Fach bei Haut und Knochen
war der Eifer ungebrochen.
So lernte man vor allen Dingen
den Prüfungsstoff auf das Gelingen.
Was sonst an Stoff noch präsentiert,
wurde mässiger studiert…

Am liebsten hatte mans anschaulich,
gut verständlich, leicht verdaulich,
lernzielgarnierte Party-Häppchen,
praxisrelevante Schnäppchen,
im Geschmack leicht pflege-ethisch,
nicht zu mühsam theoretisch,
gelocht, gebostitcht und kopiert,
benutzerfreundlich portioniert,
nicht zu üppig Kalorien
und Ballaststoff-Energien.
wenn möglich etwas vor-gekaut,
schüler-freundlich halb-verdaut;
bei alledem war – wohlverstanden –
Werkzeug für guten Biss vorhanden! –

Bedeutsamkeit des Unterrichts
befand die Klasse angesichts
seiner Praxisrelevanz
vereinzelt als Wellblech-Firlefanz.

K 17 schätzt der Lehrer Kürze:
„Brings auf den Punkt mit Spass und Würze!“
So als Steckbrief-Text der Klasse
ich schul-historisch zusammenfasse:

Durchschnitts-Lern- und Lebenstyp:
„Nimms easy nach dem Lustprinzip“!
Auftragsarbeit: nicht so eilig
Frontal-Lektionen: totlangweilig
Lieblingsding zum Zeit vertreiben:
Kreuzworträtsel, Briefchen schreiben;
kein Prüfungslernen überstürze
Stoffvermittlung: klar - in Kürze,
Pausen-Hobby: SMS
sack-stark in „mega-cool-geil-läss“;
Gesprächspräsenz mit Überzeit
nur bei MW knapp bereit;
Leistungsdruck regt Widerstand –
man spricht zuweilen an die Wand…
Ausserordentliches leisten sie schon –
mit entsprechend extrinsischer Motivation. –
Medi-Chemi nicht ganz sattelfest –
Irre ich? - Beweists im Test:
2 Brechmittel mit je 12 Buchstaben:
Klassenämtli, Hausaufgaben…

Auch in der Praxis divergierten
die Lernenden mit Diplomierten
auf Selbst- und Fremdeinschätzungsbogen
mitunter in Form von Wellenkamm-Wogen.
Nicht zuletzt die Divergenz
war dienlich eurer Kompetenz…

Schule und Praxis – die Ausbildungswelt –
hat euch mit allen Wassern gewellt:

Nicht nur die Wissenskompetenz,
auch Empathie und Kongruenz,
teamfähig – burn-out-resistent,
Konflikt- und Krisenmanagement,
qualitätsgesichert, reflekt-ethisch,
meta-EBN-theoretisch,
pflegeprozess-komplexitätsbewusst,
pflegeplanungsformats-gePUSt,
standard- und konzept-flexibel,
argumentationssensibel,
schlüsselqualifikationsversiert,
geronto-logisch validiert,
studiengetrimmt und forschungsoffen,
supervidiert und noch betroffen. -

Kurz und gut: sensationell –
DN 1-professionell
in Psychi, Heim, Akutspital
bio-psycho-sozial
auf Herz und Nieren evaluiert
seid ihr per Dato diplomiert (und SRK-registeriert).
Nun steht euch – und das wolln wir hoffen –
das weite Meer der Pflege offen.
Die Sonne strahlt am Horizont
da die Kurs 17-Welle kommt. -
Willkommen mit Köpfchen, Herz und Hand
IM DIPL. PFLEGEFACHFRAU- UND MANNEN-STAND!

Vergesst nicht, dass auch mächtge Wellen
entspringen an bescheidnen Quellen.
Wasser-Tropfen unerkannt –
Mensch und Schöpfung zugewandt,
lebensspendend – Tag und Nacht –
nicht auf Eigennutz bedacht,
un-ermüdlich, klar und rein
formt das Wasser selbst den Stein…
Millionen Wasser-Moleküle
setzen einig sich zum Ziele,
kein Individualistentum zu führen,
um sich gemeinsam zu formieren,
Kraft zu bündeln durch verbinden,
als „Team“ zur „Welle“ sich zu finden…
Doch nicht allein der Welle Kraft
schon sinn- und wertvoll Nutzen schafft,
da ungetüme Kraft und Wucht
dem Tsunami gleich Vernichtung sucht.
Dynamik ist zu kultivieren,
zu pflege-deutsch: professionalisieren.

So sei die Welle eures Strebens
konstruktiv – zum Wohl des Lebens!

Marlies Frast,
2006