Einführung zu einigen ausgewählten Texten


Quelle, 1984
Diesem Text geht eine jahrzehntelange Entstehungsgeschichte voraus: An meinem Firmtag – man schrieb den 11. Juni 1966 – gelangten wir auf Vorschlag meiner Firmpatin, unseren Firmausflug „an einen schönen Ort“ zu unternehmen, über St. Luziensteig nach Maienfeld,  Bad Ragaz und über den einzigartigen Fussweg in die Taminaschlucht. 10 Jahre später war ich sozusagen „oberhalb der Schlucht“ in der Klinik St. Pirminsberg, Pfäfers, im 1. Ausbildungsjahr als Psychiatrieschwester tätig. An einem sonnigen Sommermorgen schlug eine gute Kollegin nach gemeinsamer Nachtwache vor, noch einen Fussmarsch über die Naturbrücke zur Thermalquelle in die Taminaschlucht hinunter zu unternehmen. An diesem Tag stand ich zum ersten Mal an dem Ort, wo „die Quelle“ als Therme aus dem Erdinneren hervorströmt. Von diesem Anblick war ich derart in Bann gezogen, dass mir vorerst die Worte fehlten, um meinen inneren Eindruck über dieses einzigartige Naturphänomen in Sprache zu übersetzen. Die in meiner Seele eingravierten tief-inneren Spuren blieben über Jahre hinweg unauslöschlich… Erst im August 1984, im Zusammenhang mit einem vertieften Nachdenken über das Geheimnis der Taufe, tauchte das gespeicherte Bild der Quelle wieder auf und drängte so lebendig und intensiv ins Bewusstsein, dass eines nachts in einem einzigen Wort-Fluss unmittelbar die Tamina-Therme mit dem Sakrament der Taufe zu einer ersten Gedicht-Fassung „Die Quelle“ ineinander-strömte.


Zum Kern der Dinge vorstossen, 1988
Den zwei-zeiligen Versen liegt eine Meditation in freier Natur zu Grunde, die mich den „Kern der Dinge“, die verborgene Gegenwart Gottes in allem von Ihm Erschaffenen - für uns Sichtbaren - erahnen liess. Das Erspüren Seiner Nähe weckt zugleich die „Sehnsucht nach Berührung“, nach dem persönlichen in Kontakt kommen mit Seinem Wesen…


Glück, 2003
Der Text wurde ursprünglich als Geburtstags-Gedicht verfasst. Mir nahe stehende Menschen beschenke ich – seit 4 Jahrzehnten – zu einem besonderen Geburtstag zuweilen sporadisch mit humorvollen oder ernsten, auf sie zugeschnittenen Versen. An einem konkreten Beispiel ist mir besonders eindrücklich aufgegangen, welch tief innere Bewegtheit, Freude und Dankbarkeit so eine Art persönliches Feedback, mit dem ich eine Person in der eigenen Weise, wie ich sie wahrnehme oder charakterisiere, auslösen kann.
Im Gedicht „Glück“ schwingt ursprünglich das mit, was mich mit einer für mich einzigartigen Person individuell verbindet, worüber wir schon ausgetauscht haben, was mir in Gedanken an sie innerlich auf-leuchtet und ich für sie – kostbaren Perlen gleich – in ein „Schmuck-Stück aus Worten“ aufreihen und fassen möchte.
Unabhängig von diesem individuellen Kontext können die selben Worte ebenso für einen bestimmten Personenkreis Bedeutung erlangen.


Mit einem Lachen, 2005
Auch diese Verse wurden ursprünglich als Geburtstags-Gedicht einer lieben Arbeitskollegin gewidmet, die ich mit ihrem Humor und ihrem ansteckenden Lachen besonders schätzte. Was ihr im speziellen „an-gedichtet“ werden konnte, lässt sich in diesem Fall ebenso auf eine Ebene mit allgemeiner Gültigkeit übertragen.


Hoffnung, 2007
Zwischen Februar und Oktober 2007 lancierten die Evang. und Kath. Kirchgemeinden Ebnat-Kappel ein gemeinsames Poesieprojekt zum Thema „Farben der Hoffnung“. Ich war so fasziniert von diesem Angebot, dass ich mich umgehend fragte: Was bedeutet eigentlich Hoffnung für mich konkret?
Beflügelt von der Projekt-Idee hatte ich im Verlauf von 2 Tagen für mich konkrete Antworten gefunden und in der vorliegenden Vers-Form spontan zu Papier gebracht…


Lebens-Philosophie aus der 50er-Perspektive, 2006
Es gibt Kunstmaler, die im Verlaufe ihres Lebens dazu inspiriert werden, den Pinsel für ein Selbstportrait zur Hand zu nehmen. Statt mit Farben lässt sich vergleichbar auch mit Worten eine Art Selbst-Bildnis „zeichnen“, das die persönlichen Wesenszüge sowie individuell bedeutsame Werte und Erkenntnisse zum Ausdruck bringt. Ein „Selbstportrait“ dieser Art entstand in einer bilanzartigen Reflexion über mein Leben an meinem 50. Geburtstag.