Eine Weihnachtsgeschichte

Seit Betlehem bei heilger Sippe
stehn Ochs und Esel an der Krippe.
Dem Neugebornen nackt und arm
gibt ihr Fell und Atem warm.

Anno Domini nach der Väter
zweitausend und neun Jahre später,
die Landschaft bilderbuch-verschneit,
war es wieder Weihnachtszeit.

Ein weisser Kater, leicht gefleckt,
im Heim als Waisenkind entdeckt
durch zwei beherzte Finder –
am Tag unschuldger Kinder.

Sie nahmen ihn mit sich nach Haus
und luden ihn erleichtert aus.
Wenig später nahm die Katz
an einer Schreibtisch-Krippe Platz.

Verdutzt fragt sich das scheue Tier:
„Wo befinde ich mich hier?“
spitzt sein linkes ganzes Ohr,
hörts flüstern: „Maxi! – Neig dich vor!

   

Setz dich näher zu mir, bitte,
und sei willkommen als der Dritte
Vierbeiner - nun gehörst auch DU
zu Ochs und Esel mit dazu.

Schäm dich nicht mit deinen Ohren
wovon du eines halb verloren –
mich kannst du mit dem Herzen hören…
Schönheitsmängel mich nicht stören.

Auch auf dem weissen Fell die Flecken
musst du dir nicht sauber lecken.
Jedes Geschöpf ist mir willkommen
zur Krippe, um zu sich zu kommen.“

Weihnachten 2010
Marlies Frast